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Kritikák

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Kattints a nagyobb képért!

Oper in der Pasinger Fabrik Viel zu ernst, um witzig zu sein

Matthias Hejny, vom 22.06.2012 17:00 Uhr

 Foto: Pasinger Fabrik

Foto: Pasinger Fabrik
 

Die Pasinger Fabrik versucht das Originelle bei Puccinis „Tosca”

Wenn Tibor Brouwer als Scarpia auf das Furchterregendste die Augen rollt, ist in der extremen Zuschauernähe nie sicher, ob er sich in ein pathetisches Klischee des Bösen rettet oder doch die Darstellungskunst des Stummfilms beschwört. Zumindest richtete Ausstatterin Uta Gruber-Ballehr eine „Tosca” in Schwarzweiß ein. Ausnahmen: Blutflecken, der Mantel des Bösewichts in finster glimmendem Flieder, das Abendkleid der Titelheldin in schlichtem Braun.

Entsprechend unaufwändig singt und spielt Nastassja Nass mit ihrer schön timbrierten Stimme eine Operndiva, die nicht auftrumpft, sondern mit liebenswürdiger Eleganz eine Dienerin ihrer Kunst und ihrer Liebe zu dem Maler Mario Cavaradossi ist. Die Eifersucht, die Floria Tosca empfindet, als sie das vom Geliebten geschaffene Bildnis der Maria Magdalena sieht, ist in dieser Inszenierung begründeter, als es bei Puccini steht. Regisseurin Nilufar Münzing machte aus dem entflohenen politischen Gefangenen, der bei Cavaradossi Unterschlupf findet, eine Frau. Aus der Bass-Partie des Partisanen Cesare Angelotti gegen die französischen Besatzer wurde eine Caecilia in Mezzo-Lage. Kathrin Walder ist darstellerisch etwas verhuscht, stimmlich dagegen erfreulich präsent. Für einen Moment zumindest erliegt der politisch desinteressierte Kirchenmaler (kerniger Strahlemann-Tenor: János Alagi) dem spröden Charme der Widerstandskämpferin.

Münchens kleinstes Opernhaus will eine harte Nuss knacken. Anders als bei Mozart und komischen Italienern, in die ironische Brechungen eingeschrieben sind, ist an der Verismo-Tragödie der originelle, überraschende Zugriff nicht gelungen. Aber der musikalische Leiter Andreas Heinzmann hat den quasiromantischen Orchesterapparat wirkungsvoll entschlackt. Selbst die hochdramatischen Tutti bleiben in der Mikrobesetzung kraftvoll und transparent, ohne sich überanstrengt anzuhören.

Pasinger Fabrik, bis 22. Juli und 2.-19.8.: Do bis Sa,Tel.54818181

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Opernakademie präsentierte „Heiteres aus Oper und Operette“

Mit „Heiterem aus Oper und Operette“ setzte die Opernakademie Bad Orb ein weiteres musikalisches Glanzlicht und verwöhnte die Musikfreunde erneut auf hohem Niveau.

Die Traditionsveranstaltung fand in der fast ausverkauften Konzerthalle von Bad Orb statt.

Dieses Jahr gab es zum ersten Mal eine Besonderheit: Die Musikfreunde durften sich das Programm aussuchen und Arien, Duette und Opernchöre wünschen. Aus den Wunschzetteln hatte Anke Eva Blumenthal (Gesamtleitung).ein tolles Programm zusammengestellt. Rouwen Huther, der mit viel Humor und Charme durch das Programm führte, ließ es sich nicht nehmen, auch gesangliche Beiträge beizusteuern. So ließ er die Zuhörer mit der mittlerweile auch aus der Fernsehwerbung bekannten Arie „Nessun dorma“ aus Puccinis Oper „Turandot“ dahin schmelzen. Mit dem „Schwipslied“ aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“ torkelte er durch das Publikum und sorgte für große Heiterkeit, ebenso beim „Katzenduett“ von Rossini, das er gemeinsam mit Tibor Brouwer zum Besten gab.

Die beiden Sopranistinnen Frauke Burg und Kristi Anna Isene verzauberten die Zuhörer, indem sie singend durch die Stuhlreihen im Saal gingen und sich auch auf dem Schoß einiger Männer niederließen. Sie brillierten u. a. mit der Arie „Königin der Nacht“ aus Mozarts „Zauberflöte“ (Frauke Burg). János Alagi, der als Sänger kurzfristig eingesprungen war, begeisterte mit Operettenmelodien aus „Gräfin Mariza“ sowie dem „Land des Lächelns“. Weitere musikalische „Ohrwürmer“ wurden gemeinsam mit dem Chor der Opernakademie (Leitung: Helmuth Smola) vorgetragen, so die bekanntesten Partien aus Bizets Oper „Carmen“. Der Chor begeisterte auch solistisch mit dem „Mondchor“ (Nicolai) sowie dem „Gefangenenchor“ aus Verdis „Nabucco“, den viele Anwesende mitsummten.

Tibor Brouwer ließ Erinnerungen an die diesjährige Produktion „Die Lustigen Weiber von Windsor“ mit der Arie „Als Büblein klein…“ aufkommen. Und die beiden Solistinnen Frauke Burg und Kristi Anna Isene gaben mit dem „Abendsegen“ aus „Hänsel und Gretel“ (Humperdinck). einen Ausblick auf die Produktion der Opernakademie in 2013 anlässlich des Grimm-Jahres. Anke Eva Blumenthal meisterte am Flügel ihren schwierigen Part bravourös: Sie begleitete alle Darbietungen hervorragend. Kammersänger Carlos Krause, der Intendant der Opernakademie Bad Orb, schicke Grüße aus Frankfurt, wo er an dem Abend selbst auf der Opernbühne stand. Den krönenden Abschluss bildete der „Feuerstrom der Reben“ aus der „Fledermaus“.

Als Zugabe durften die begeisterten Zuhörer unter der Anleitung von Rouwen Huther das Trinkleid aus Verdis „La Traviata“ als großen Chor gemeinsam mit den Solisten und dem Opernchor singen. Ein minutenlanger tosender Applaus des Publikums belohnte alle Mitwirkenden.

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Symphonisches Orchester München-Andechs in Dachau: Masse und Klasse

Dachau - Das war eine rauschende Premiere und ein gigantisches Musikerlebnis: Wagner hielt Einzug im Dachauer Schlosssaal mit Musik und Arien aus „Die Walküre“. Der Auftritt war so ungewöhnlich wie überzeugend.

106 Musiker insgesamt spielen im SOMA mit: In Dachau taten sie es leider vor nur rund 150 Zuhörern. Foto: hab

106 Musiker insgesamt spielen im SOMA mit: In Dachau taten sie es leider vor nur rund 150 Zuhörern. Foto: hab

Das Symphonische Orchester München-Andechs (SOMA) mit 106 Instrumentalisten machte sich ordentlich breit im Saal. Sieben Stuhlreihen für Zuhörer mussten weichen, denn längst nicht alle Musiker hatten auf dem Bühnenpodest Platz. Und dennoch war der Saal nur gut zur Hälfte gefüllt: Nur etwa 150 Besucher waren gekommen, viele aus dem Umfeld der Musiker. Das war besonders deshalb bedauerlich, weil es ein Benefizkonzert zugunsten des Indersdorfer Heimatvereins war, das der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath eingefädelt hatte. Er verstärkte das kleine Trüppchen Indersdorfer Repräsentanten mit Anton Wagatha und dem zweitem Bürgermeister Hans Lachner nebst Ehefrauen.

Das SOMA jedenfalls ließ sich vom spärlichen Besuch die Musizierlaune nicht verderben. Instrumentalisten und Gesangssolisten glänzten in Topform unter der Leitung von Andreas Pascal Heinzmann. Der hatte mit seiner Programmauswahl zwei Revoluzzern ihrer Zeit Stimme und Klang gegeben: Ludwig van Beethoven und Richard Wagner.

Die beiden Komponisten machten nicht nur kein Hehl aus ihrer Kritik an Politik und Gesellschaft, sondern brachen auch in ihren Musikwerken mit der Tradition. Wagner sah in Beethoven ein leuchtendes Vorbild. Insofern war es nur schlüssig, dass zum Auftakt im Schloss die Symphonie Nr. 5, c-Moll von Ludwig van Beethoven ertönte. Die damals auch als Schicksalssymphonie bezeichnete Komposition wurde 1808 im Theater an der Wien uraufgeführt - und kam beim Publikum damals nicht besonders an: Es reagierte ratlos und reserviert.

In heutiger Zeit hingegen vermag das Musikwerk durchaus zu begeistern. Vor allem, wenn es so effizient und homogen zelebriert wird wie im SOMA-Konzert. Die Musik beschwört eine schicksalsschwere Wechselstimmung herauf zwischen trüber Düsternis und strahlender Helligkeit, wobei das „Schicksalsmotiv“ immer wieder ertönt - und stimmte bestens auf das nachfolgende dramatisch fesselnde Wagner-Werk ein.

Schon im Vorfeld des Konzerts hatte Henriette Holz „Die Walküre“ sozusagen als zweiten Akt der Tetralogie Ring des Nibelungen vorgestellt und die Hörer vorbereitet auf die Handlung. Drei hervorragende Solisten sangen nicht nur, sie inszenierten das Geschehen: Nastassja Nass als Sieglinde, János Alagi als Siegmund und Sven Fürst als Hunding. Sie wurden in jeder Weise ihrer Rolle gerecht, agierten mit Gefühl und fesselten die Zuhörer.

Als Wehwalt sucht Siegmund Zuflucht im Haus des Hunding. Sieglinde, die unfreiwillige Ehefrau des Hunding, findet ihn entkräftet vor der Feuerstelle. Sie labt ihn, fragt, was ihn hierher geführt hat - und findet Gefallen an ihm. Hunding weniger, als er dessen Geschichte kennt. Er gewährt ihm Zuflucht für diese eine Nacht, und fordert ihn zum Duell am nächsten Morgen. Sieglinde erkennt in dem Fremden schließlich den Mann, der sie aus der Unfreiheit ihrer ungewollten Ehe befreien kann. Den Helden, dem es gelingt, das Schwert namens Notung aus dem Stamm der Eberesche zu ziehen und im Kampf zu führen. Beide entbrennen in Liebe zueinander. Sieglinde: „Bist du Siegmund, den ich hier sehe, Sieglinde bin ich, die dich ersehnt: die eigne Schwester gewannst du zu eins mit dem Schwert!“ Siegmund: „Braut und Schwester bist du dem Bruder - so blühe denn, Wälsungen-Blut.“

Schwindend und schwellend, voller Volumen, Feinklang und Dramatik gestaltete das Orchester seinen Part zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk. Entsprechend begeistert mit Bravorufen und Getrampel fiel der Schlussapplaus aus für diesen „Bayreuther Splitter“ im Dachauer Schloss. (don)